The Legend of Zelda: The Wind Waker ist ein besonderes Spiel. Als es 2002 erschien, spaltete der Cel-Shading-Look die Fangemeinde – doch rückblickend war das ein stilistischer Geniestreich. Auch über 20 Jahre später begeistert Wind Waker mit seiner charmanten Optik, seinem klugen Dungeon-Design und der unvergleichlichen Atmosphäre. In dieser Version erleben wir allerdings nicht die überarbeitete Wii U-Fassung, sondern die originale GameCube-Variante – samt 4:3-Format, invertierter Kamera und ohne Swift Sail. Das ist schade, denn vieles an der HD-Version hätte dem Spiel gutgetan.
Trotzdem bleibt das Kernspiel über weite Strecken brillant. Die Kämpfe fühlen sich dynamisch an, das Erkunden des weitläufigen Ozeans hat seine eigene Magie, und der Soundtrack zählt zu den besten der Reihe. Die Geschichte ist klassisch, überrascht aber mit emotionaler Tiefe, einem menschlichen Ganon und einem bittersüßen Ende. Auch wenn nicht jede der 49 Inseln gleich spannend ist, ist der Umfang für ein Spiel dieser Art mehr als solide.
Für viele war Wind Waker der Einstieg in die Zelda-Welt – und wer es heute noch einmal (oder zum ersten Mal) spielt, wird schnell verstehen, warum es trotz kleiner Schwächen bis heute zu den Favoriten vieler Fans zählt.
Gameplay
Wind Waker spielt sich auch mehr als 20 Jahre nach seinem ursprünglichen Release auf dem GameCube immer noch erstaunlich angenehm. Der größte Wermutstropfen ist allerdings, dass wir auf einige Komfortfunktionen der Wii U-Version verzichten müssen. Die Kamerasteuerung ist invertiert, das Swift Sail fehlt, und besonders im späteren Verlauf des Spiels kann das häufige Hin- und Herwechseln von Items über das Menü den Spielfluss merklich unterbrechen.
Das Zielen mit dem Bogen ist zudem recht ungenau – die Steuerung über den Analog-Stick reagiert derart empfindlich, dass man schnell mehrere Meter am Ziel vorbeischwebt, obwohl man nur einen kleinen Zentimeter nachjustieren wollte.
Diese Schwächen fallen im Minutentakt jedoch kaum ins Gewicht. Die Kämpfe machen nach wie vor eine Menge Spaß. Das Z-Targeting funktioniert heute noch genauso zuverlässig wie damals. Der Bumerang trifft sicher sein Ziel, und das Ansteuern entfernter Plattformen mit dem Deku-Blatt vermittelt ein Maß an Freiheit, das auch heute noch selten ist.
Man merkt dem Spiel sein Alter an einigen Stellen zwar an, doch das Leveldesign ist nach wie vor einzigartig. Sicher, manche Dungeons sind etwas zu leicht geraten – doch das mindert den Spielspaß nur wenig.
Visuals
Auf die Gefahr hin, im weiteren Verlauf wie eine kaputte Schallplatte zu klingen: Wind Waker liefert auch nach 20 Jahren visuell noch gut ab. Der Cel-Shading-Artstyle, damals von vielen kritisch beäugt, ist erstaunlich gut gealtert. Wäre das Spiel nicht im 4:3-Format, könnte man ihm das Alter sogar noch leichter verzeihen – und wieder stellt sich die Frage: „Warum gebt ihr uns nicht einfach die Wii U-Version?“
Die Wii U-Fassung brachte HD-Auflösung, 16:9-Bildformat, einen wunderschönen Bloom-Effekt und eine detailreichere Beleuchtung mit sich. Die Farben im Original sind kräftiger – manche bevorzugen genau das. Ich persönlich finde beide Farbpaletten auf ihre Weise schön und würde keine der anderen vorziehen. Den ganzen Rest hätte ich allerdings nur allzu gerne gehabt.
Die Switch 2 skaliert das Spiel immerhin um den Faktor zwei hoch, was zu einem ausreichend guten Gesamteindruck führt. Die Umgebungen sind abwechslungsreich und haben ihren ganz eigenen Charme. Besonders die ersten beiden Dungeons sind optisch sehr gelungen. Auch der Ozean ist wunderschön – was gut ist, denn wir verbringen viel Zeit darauf.
Am Ende bleibt aber doch ein Wermutstropfen: das Wissen darum, was wir stattdessen hätten bekommen können.
Atmosphäre
Wind Waker hat einen der besten Soundtracks der gesamten Reihe. Die MIDI-Klänge der N64-Spiele weichen hier einem verspielten, abenteuerlichen Score. Teilweise gibt es sogar instrumentale Begleitung – aber einen orchestralen Soundtrack gab es nicht.
Die Musik ist oft fröhlich und unbeschwert. Besonders das Theme, zu dem wir den Ozean erkunden, ist ein absoluter Banger. Dragon Roost Island ist auch heute noch legendär, und die Boss-Themes sind durchweg großartig. Gerade Jalhalla, das von vielen eher ausgelassen wird, finde ich persönlich besonders gelungen.
Doch nicht nur der Sound trägt zur Atmosphäre bei. Für ein so kindliches Spiel erleben wir hier erstaunlich viel: stimmungsvolle Beleuchtung, expressive Charaktere und eine überraschend vielschichtige Story. Vielleicht wirkt sich an dieser Stelle sogar die etwas ernstere Farbpalette der Gamecube-Version positiv auf das Gesamtbild aus.
Story
Wind Waker erzählt eine klassische Heldenreise. An seinem elften Geburtstag wird Links Schwester Aryll von einem riesigen Vogel entführt. Um sie zu retten, schließt sich Link einer Piratenbande unter der frechen Anführerin Tetra an. Der Befreiungsversuch auf der Verwunschenen Bastion scheitert jedoch, und Link wird ins Meer geworfen – wo ihn ein sprechendes Boot namens Roter Leuenkönig aufliest.
Gemeinsam bereisen sie die See, sammeln ein Segel und machen sich auf die Suche nach drei heiligen Perlen, um Ganondorf aufzuhalten, der neben Aryll auch andere spitzohrige Mädchen entführt hat. Auf Dragon Roost Island und in den nächsten Regionen helfen wir Medli und Makar, ihre Tempel zu befreien, und erhalten die ersten beiden Perlen. Als wir zur dritten reisen wollen, ist die Insel bereits zerstört. Mit Hilfe der Piraten erreichen wir dennoch Jabbun und erhalten die letzte Perle.
Im Turm der Götter beweisen wir uns, tauchen in die versunkene Welt von Hyrule hinab und bergen das Master-Schwert. Mit neuer Kraft besiegen wir das Vogelmonster und befreien die gefangenen Mädchen – doch Ganondorf bleibt übermächtig. Um das Master-Schwert wieder vollständig zu erwecken, begleiten uns Medli und Makar in zwei weitere Dungeons.
Es folgt die berüchtigte Triforce-Suche. Wer vorher die Welt erkundet hat, kann diese Passage recht zügig abschließen – aufwändig, aber nicht frustrierend. Statt eines zusätzlichen Dungeons will das Spiel, dass wir die Weite des Meeres erleben.
Emotionaler Kern bleibt Links Großmutter, die uns liebevoll großzog und mit der wir bei Arylls Rettung auch sie zurücklassen. Später treffen wir sie in tiefer Trauer wieder – eine Szene, die auch beim fünften Durchlauf noch berührt. Mit einer Fee heilen wir sie, und fortan stärkt sie uns mit ihrer Suppe.
Zum Finale: Tetra entpuppt sich als Zelda, wir werden von Ganondorf entführt, und der Rote Leuenkönig offenbart sich als Daphnes Nohansen, letzter König von Hyrule. Link ist nicht der wiedergeborene Held der Zeit, sondern ein neuer Held: der Held des Windes. Im letzten Gefecht versucht Ganondorf, das Triforce zu nutzen, um Hyrule zurückzubringen – doch der König kommt ihm zuvor und wünscht sich, dass Hyrule endgültig untergeht.
Ganon, der letztlich besiegt wird, ist dabei nicht das pure Böse. Er wirkt fast tragisch – aufgewachsen in der Wüste, kämpfte er einst für sein Volk. Wenn es je einen Nintendo-Antagonisten mit nachvollziehbaren Motiven gab, dann ist es dieser Ganon
Umfang
Wind Waker lässt sich in rund 20 Stunden abschließen, wenn man der Hauptquest folgt und das Nötigste an Nebeninhalten mitnimmt – und dabei wird es nie langweilig. Immer wieder bekommt man Hinweise darauf, was es abseits des Weges noch zu entdecken gäbe.
Allerdings bietet nicht jede der insgesamt 49 Inseln wirklich kreative Inhalte. Sechs davon sind Piratenbasen, die sich sehr ähneln, vier weitere sind Feenquellen mit kaum Variation, und etwa fünf bis zehn bestehen lediglich aus Felsen oder kleinen Grasinseln, die weder Rätsel noch sonstige Highlights bereithalten.
Würden diese 15 Inseln durch kleinere Rätselherausforderungen oder vielleicht einen zusätzlichen Quest-Hub mit Dungeon ersetzt, würde sich der Ozean etwas weniger leer anfühlen. Aber das ist Kritik auf hohem Niveau – das Spiel zwingt einen nie dazu, viel Zeit auf diesen Inseln zu verbringen.
Bonus
Wer bis hierhin gelesen hat, weiß: Ich habe ein kleines Hühnchen mit der GameCube-Version zu rupfen. Wind Waker war das erste Zelda, das ich je durchgespielt habe, und es hat bis heute einen sehr warmen Platz in meinem Herzen.
Es wird vermutlich Jahre dauern, bis wir ein neues 3D-Zelda bekommen. Das nächstbeste – abgesehen von Breath of the Wild und Tears of the Kingdom, die wir bereits auf der Switch erleben konnten – ist vielleicht ein neues Hyrule Warriors, möglicherweise sogar ohne Link.
Umso bedauerlicher ist es, dass dieses großartige Spiel auf einer neuen Nintendo-Konsole immer noch aussieht wie vor 23 Jahren. Wind Waker hätte ein moderneres Gewand verdient. Und wir hätten es verdient, die definitive Version spielen zu dürfen.
