Kategorie: 2D

  • Ori and the Will of the Wisps

    Ori and the Will of the Wisps

    Gameplay

    Ori and the Will of the Wisps ist wie sein Vorgänger ein Action-Plattformer im Metroidvania-Stil und reiht sich damit in ein Genre ein, das in den letzten Jahren zahlreiche Meisterwerke hervorgebracht hat. Im direkten Vergleich mit Titeln wie Hollow Knight oder Metroid Dread behauptet sich Ori überraschend stark – und zeigt eindrucksvoll, dass gutes Spieldesign nicht immer laut oder übermäßig komplex sein muss, sondern durch Eleganz und Gefühl überzeugen kann.

    Ich habe beide Teile im Frühjahr nach der Geburt meiner Tochter gespielt – eine magische, aber auch herausfordernde Zeit. Damals hat mich das Spiel tief berührt, und ich wollte nun herausfinden, ob diese Begeisterung dem Moment geschuldet war oder ob das Spiel auch nüchtern betrachtet so stark ist. Bereits nach wenigen Minuten im neuen Durchlauf war klar: Ori überzeugt spielmechanisch auf ganzer Linie.

    Im ersten Drittel des Spiels erhalten wir die wichtigsten Bewegungswerkzeuge – Doppelsprung, Dash, Wandsprünge und die Bash-Mechanik, mit der wir uns an Gegnern, Projektilen oder bestimmten Objekten abstoßen können. Diese Fähigkeit ist das Herzstück des Plattformings: Sie erlaubt nicht nur kreative Fortbewegung, sondern verleiht dem Spiel ein Gefühl von Leichtigkeit und Dynamik, das sich durch das gesamte Leveldesign zieht. Besonders beeindruckend: Die Spielwelt selbst lebt mit. Blätter, Zweige und Strukturen bewegen sich bei unseren Aktionen mit – eine kleine, aber sehr wirkungsvolle Detailverliebtheit.

    Das Kampfsystem wurde gegenüber dem Vorgänger deutlich ausgebaut. Statt bloßem Ausweichen und gelegentlichem Angreifen steht uns nun ein magisches Schwert zur Verfügung, ergänzt durch weitere Fähigkeiten wie AOE-Angriffe oder Pfeilschüsse. Zwar ist das Trefferfeedback nicht ganz so präzise wie etwa bei Hollow Knight, aber sobald man sich an Timing, Distanz und Kombinationsmöglichkeiten gewöhnt hat, funktioniert das System ausgesprochen rund. Eine wichtige Rolle spielt dabei das Ressourcenmanagement: Lebensenergie und Seelenkraft müssen im Kampf gut eingeteilt werden, denn reines Ausweichen ist oft nicht möglich – viele Bosse geben kaum visuelle Hinweise auf ihre Angriffe.

    Die Bosskämpfe sind weniger ein Test unserer Reaktionsfähigkeit als vielmehr ein Spiel mit Risiko und Belohnung. Besonders hervorzuheben sind jedoch die Fluchtsequenzen: cineastisch inszenierte Lauf- und Sprungpassagen, in denen sich unter Zeitdruck die ganze Vielfalt unserer Bewegungsmöglichkeiten entfaltet. Diese Szenen sind dramaturgisch wie spielerisch absolute Highlights – sie fesseln, fordern und hinterlassen bleibenden Eindruck.

    Visuals

    Ori and the Will of the Wisps erschien 2020 ursprünglich für die letzte Konsolengeneration und ist technisch betrachtet kein 4K-Grafikwunder mit hochauflösenden Texturen. Doch das spielt in diesem Fall kaum eine Rolle, denn was Ori in Sachen Artstyle und visueller Gestaltung auf den Bildschirm zaubert, ist schlicht atemberaubend.

    Selbst auf der Switch wirkt jede Szene wie ein gemaltes Kunstwerk. Die Lichtstimmungen sind meisterhaft gesetzt: Nebel liegt über Sümpfen, glühende Pilze erhellen dunkle Höhlen, Sonnenstrahlen brechen durch dichte Baumkronen. Jedes Biom hat seinen eigenen Charakter, seine eigene Farbpalette – und doch ergibt alles ein harmonisches Ganzes. Klar, es gibt ein Feuerbiom, ein Wassergebiet und eine düstere Wüstenregion – das gehört zum Genre fast dazu – aber Ori schafft es, bekannte Elemente neu zu interpretieren und mit eigenem Flair zu versehen.

    Besonders auffällig ist, dass die Spielwelt nicht wie bei vielen Genrevertretern aus wiederverwendbaren Tiles oder Baukastensystemen besteht, sondern vollständig handgebaut wirkt. Man merkt, dass jedes Areal liebevoll gestaltet wurde. Licht und Schatten verändern die Atmosphäre spürbar – besonders eindrucksvoll ist, dass viele Orte nach ihrer „Heilung“ durch den Spielfortschritt heller, freundlicher und weniger bedrohlich erscheinen. Es ist ein subtiler, aber wirkungsvoller visueller Wandel, der Emotionen transportiert.

    Ori ist stilistisch so stark, dass die begrenzte Auflösung fast völlig in den Hintergrund rückt. Und trotzdem: Eine native 4K-Version mit HDR und feinerem Detailgrad wäre ein Traum. Doch auch so zählt Will of the Wisps zu den visuell eindrucksvollsten Spielen seines Genres – und schafft es, trotz technischer Limitierungen, regelmäßig für staunende Momente zu sorgen.

    Story

    Ori and the Will of the Wisps erzählt keine neue Geschichte – aber auf eine Art, wie es nur wenige Spiele schaffen. Wir starten mit unseren alten Freunden und der kleinen Eule Ku, die aufgrund eines missgebildeten Flügels nicht fliegen kann. Mit unserer Hilfe und der Feder ihrer Mutter wagt sie schließlich den ersten Flug – nur um mit uns in einen Sturm zu geraten und in einem düsteren, von Fäulnis befallenen Wald abzustürzen. Getrennt voneinander beginnt eine doppelte Reise: die Suche nach unserem Eulenfreund und der Kampf, den Wald von seiner Dunkelheit zu befreien.

    Auf unserem Weg helfen wir tierischen Waldbewohnern, bauen ein Dorf wieder auf und treffen Kwolok – eine weise Kröte, die uns anleitet, die Seele des Waldes zu sammeln. Doch unser Gegenspieler ist Shriek, eine tragische Eulen-Chimäre, halb Kreatur, halb gebrochenes Wesen. Als wir Ku wiederfinden, wird sie von Shriek getötet – ein Moment, der emotional tief trifft.

    Mit Kwolok verlieren wir kurz darauf unseren zweiten Halt, und als schließlich auch er stirbt, liegt es ganz an uns, das Gleichgewicht zurückzubringen. Im düstersten Abschnitt des Spiels – einer Reise durch absolute Dunkelheit – retten wir die Spinne Mora, die ebenfalls nur Opfer der Dunkelheit war.

    Im Finale treffen wir auf Shriek, die die letzte Hoffnung des Waldes zerstört. Nach einem dramatischen Kampf zieht sie sich, sterbend, zu den versteinernden Überresten ihrer Eltern zurück – ein Moment voller Mitgefühl. Ori opfert sich schließlich, wird selbst zum neuen Lebensbaum, zum Wächter des Waldes – und offenbart sich als Erzähler beider Spiele.

    Ein Ende mit Gänsehaut. Ein Märchen in Licht und Schatten.

    Atmosphäre

    Ori and the Will of the Wisps ist atmosphärisch ein absolutes Schwergewicht – ein Spiel, das mit audiovisueller Wucht und feinfühliger Inszenierung gleichermaßen beeindruckt. Der orchestrale Soundtrack von Gareth Coker zählt zum Besten, was dieses Medium je hervorgebracht hat. Mal sanft und melancholisch, dann wieder bombastisch und treibend, begleitet die Musik jede Szene mit unglaublichem Fingerspitzengefühl. In den Fluchtsequenzen wird der Puls synchron zur Musik schneller, in ruhigen Momenten erzählt der Soundtrack allein Geschichten. Es ist irgendwo zwischen Disney, World Music und einem tragischen Märchenfilm – aber ohne je kitschig zu wirken.

    Visuell unterstützt wird das Ganze von einem Stil, der Licht, Farbe und Bewegung in einer Weise kombiniert, die selbst ohne Dialoge Emotionen transportiert. Schatten tanzen, Biome erwachen zum Leben, und selbst kleinere Animationen – ein Blinzeln, ein Zögern, ein Zusammenzucken – machen die Welt greifbar. Auch wenn die Story auf dem Papier simpel wirkt, entfaltet sie durch Timing, Mimik und Musik eine emotionale Wucht, der man sich schwer entziehen kann.

    Am Ende entsteht ein Gefühl, das viele große Spiele verfehlen: Ori ist nicht einfach nur bewegend – es ist berührend. Ein Spiel, das einen anschaut, bevor es einem ans Herz geht.

    Umfang

    Ori and the Will of the Wisps ist mit einer Spielzeit von etwa 10 bis 15 Stunden genau richtig lang. Es bietet ein intensives, emotionales Erlebnis, das sich in wenigen Tagen durchspielen lässt, funktioniert aber genauso gut in kleinen Häppchen über mehrere Wochen. Gerade weil das Spiel nicht übermäßig schwer ist, kommt es nie zu Frust oder Ermüdung. Man kann jederzeit abschweifen, Geheimnisse suchen oder Nebenpfade erkunden, ohne das Gefühl zu haben, sich in einem endlosen Spiel zu verlieren.

    Das Leveldesign ist dabei hervorragend durchdacht: Die Spielwelt ist komplett zusammenhängend, das Backtracking minimal und angenehm, zumal die Bewegung mit Fähigkeiten wie Bash, Dash oder Wall Climb so flüssig und spaßig ist, dass der Weg zum Ziel selten wie Arbeit wirkt. In jedes Gebiet kehrt man maximal ein- bis zweimal zurück, um mit neuen Fähigkeiten vorher unerreichbare Orte zu erkunden.

    Ori respektiert die Zeit seiner Spielenden. Es gibt keine überflüssigen Mechaniken oder Füllmaterial. Stattdessen bietet das Spiel eine dichte, fokussierte Erfahrung mit hohem Wiederspielwert und einem klaren Ende. Es beweist eindrucksvoll, dass weniger manchmal mehr ist – vor allem, wenn es so meisterhaft umgesetzt wird.

    Bonus

    Für die rund 10 €, die Ori and the Will of the Wisps regelmäßig im Angebot kostet, bekommt man nicht nur ein erstklassiges Metroidvania mit wunderschönem Artstyle, tränenverdächtiger Story und einem orchestralen Soundtrack – man bekommt auch das 2D-Zelda, das Nintendo uns wohl nie geben wird.

    Die Parallelen sind erstaunlich: eine magische Welt voller Geheimnisse, ein geschicklichkeitsbasiertes Kampfsystem mit Schwert und Fähigkeiten, liebevoll gestaltete Dörfer und Bewohner, die unsere Hilfe brauchen. Vor allem aber erinnern die cleveren, oft von der restlichen Welt abgetrennten Dungeons stark an klassische Zelda-Designs. Sie führen eigene Spielmechaniken ein, die wir Stück für Stück durchschauen, indem wir neue Wege erschließen, Mechanismen manipulieren oder über Rätsel die Umgebung verändern.

    Ein Paradebeispiel ist The Wellspring: eine riesige Wassermühle, deren verstopfte Walzen wir nach und nach befreien. Durch unsere Aktionen beginnt sich das gesamte Areal zu drehen und zu transformieren. Das Gefühl, sich durch das funktionierende Innere eines gigantischen Uhrwerks zu bewegen, ist einzigartig und voll Zelda-Magie.

    Ori ist damit mehr als nur ein schönes Indie-Spiel – es ist ein Liebesbrief an klassisches Spieldesign, der Genregrenzen überwindet. Shigeru Miyamoto wäre stolz.

  • Hollow Knight

    Hollow Knight

    Hollow Knight ist ein atmosphärisches 2D-Metroidvania, das den Spieler in die düstere, unterirdische Welt von Hallownest entführt – ein verlassenes Königreich voller Geheimnisse, verlorener Zivilisationen und gefährlicher Kreaturen. In der Rolle des stillen, kleinen Ritters erkundet man ein riesiges, labyrinthartiges Netzwerk aus Ruinen, Tunneln und Tempeln, in dem hinter jeder Ecke neue Herausforderungen und Enthüllungen warten.

    Das Spiel besticht durch seine handgezeichnete Grafik, stimmungsvolle Musik und sein minimalistisches Storytelling. Vieles wird nicht direkt erklärt – die Geschichte entfaltet sich schrittweise durch Umgebungsdetails, kryptische Dialoge und optionale Entdeckungen. Dabei geht es um Themen wie Verfall, Opferbereitschaft und den ewigen Kampf gegen eine alles verschlingende Seuche.

    Spielerisch überzeugt Hollow Knight mit präziser Steuerung, fordernden Kämpfen und einer Vielzahl an Fähigkeiten, die schrittweise freigeschaltet werden und neue Wege in der Welt eröffnen. Zahlreiche Bosse, Geheimnisse und optionale Pfade machen jeden Durchgang individuell und belohnen neugierige Erkundung.

    Hollow Knight ist kein einfaches Spiel – es verlangt Geduld, Geschick und einen Sinn für das Unausgesprochene. Doch wer sich auf seine melancholische Welt einlässt, erlebt ein außergewöhnliches Abenteuer, das lange nachhallt. Ein moderner Indie-Klassiker.

  • The Legend of Zelda: Echos of Wisdom

    The Legend of Zelda: Echos of Wisdom

    The Legend of Zelda: Echoes of Wisdom ist ein kommender Top-Down-Zelda-Titel, der erstmals Prinzessin Zelda selbst zur spielbaren Hauptfigur macht. Das Spiel erscheint 2024 für die Nintendo Switch und stellt einen frischen erzählerischen und spielerischen Ansatz innerhalb der Reihe dar.

    Die Geschichte beginnt damit, dass Link in einem mysteriösen Vorfall verschwindet, bei dem Menschen spurlos aus Hyrule verschwinden. Als Zelda Zeugin dieser Ereignisse wird, nimmt sie ihr Schicksal selbst in die Hand. Mithilfe eines neuen magischen Werkzeugs namens „Tri-Rute“ kann sie sogenannte „Echos“ erschaffen – magische Abbilder von Objekten und Kreaturen, die sie zuvor gesehen hat. Diese Fähigkeit erlaubt ihr, Rätsel auf kreative Weise zu lösen, Gegner zu bekämpfen oder die Umwelt zu manipulieren.

    Spielerisch kombiniert Echoes of Wisdom klassische Top-Down-Zelda-Elemente mit einer Sandbox-artigen Herangehensweise an Problemlösung. Statt vordefinierter Items steht Zeldas Vorstellungskraft im Mittelpunkt: Sie kann beispielsweise Klötze kopieren, um Brücken zu bauen, oder Gegner-Echos verwenden, um im Kampf Vorteile zu erzielen.

    Mit einem charmanten Grafikstil, der an das Link’s Awakening-Remake erinnert, und einem neuen Fokus auf Zeldas Intelligenz und Mut, stellt Echoes of Wisdom eine frische und vielversprechende Erweiterung der Zelda-Serie dar.

  • Crypt of the NecroDancer: Cadence of Hyrule

    Crypt of the NecroDancer: Cadence of Hyrule

    Cadence of Hyrule ist ein einzigartiges Crossover zwischen dem Indie-Hit Crypt of the NecroDancer und der The Legend of Zelda-Reihe. Es wurde 2019 exklusiv für die Nintendo Switch veröffentlicht und kombiniert die rhythmusbasierten Kämpfe und das Roguelike-Gameplay des Originals mit der Welt, Musik und den Charakteren von Zelda.

    Die Handlung beginnt, als der Bösewicht Octavo mithilfe einer magischen Laute Hyrule in musikalisches Chaos stürzt. Dabei bringt er sowohl Link als auch Zelda außer Gefecht – bis Cadence, die Heldin aus Crypt of the NecroDancer, plötzlich in dieser Welt erwacht. Gemeinsam mit Link und Zelda (beide spielbar) zieht sie los, um Octavo zu stoppen und Hyrule zu retten.

    Das Spiel folgt dem Rhythmus des Soundtracks: Gegner, Spielerbewegungen und Angriffe laufen im Takt der Musik ab. Die Weltkarte ist pro Spieldurchgang neu generiert, es gibt zahlreiche bekannte Items, Waffen und Songs aus der Zelda-Reihe – allerdings im treibenden Chiptune-Remix.

    Mit seinem Mix aus vertrauten Zelda-Elementen, anspruchsvollem Rhythmus-Gameplay und charmantem Pixelstil ist Cadence of Hyrule ein kreatives, überraschend tiefes Spin-off, das sowohl Fans von Musikspielen als auch Zelda-Liebhaber begeistert.

  • The Legend of Zelda: Links Awakening

    The Legend of Zelda: Links Awakening

    The Legend of Zelda: Link’s Awakening ist ein Remake des gleichnamigen Game-Boy-Klassikers von 1993 und erschien 2019 für die Nintendo Switch. Es erzählt ein ungewöhnliches Zelda-Abenteuer abseits von Hyrule: Link erleidet Schiffbruch und strandet auf der geheimnisvollen Insel Cocolint. Um von dort zu entkommen, muss er den mysteriösen Windfisch erwecken, der in einem riesigen Ei auf dem Berg der Insel schläft.

    Das Spiel unterscheidet sich in Ton und Stil stark von anderen Zelda-Titeln. Die Insel ist voller skurriler Charaktere, ungewöhnlicher Kreaturen und teils absurder Querverweise auf andere Nintendo-Spiele. Link sammelt acht magische Instrumente in klassischen Dungeons, um den Windfisch durch Musik zu erwecken.

    Das Remake bewahrt die originale Top-Down-Perspektive, ergänzt aber moderne Verbesserungen: eine charmante Diorama-Optik mit Spielzeug-Look, überarbeitete Steuerung, automatische Speicherpunkte und eine frische Neuinterpretation des Soundtracks.

    Die Handlung nimmt gegen Ende eine melancholische Wendung, als sich herausstellt, dass Cocolint nur ein Traum ist – mit dem Erwachen des Windfischs verschwindet die gesamte Insel. Link’s Awakening ist ein nostalgisches, aber tiefgründiges Abenteuer mit emotionalem Nachklang, das klassische Zelda-Elemente mit liebevoller Präsentation verbindet.